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Geld für einen guten Zweck

13. Novem­ber 2009 | Gel­sen­kir­chen stopft die Löcher beim hoch­ver­schul­de­ten Bun­des­li­gis­ten Schalke 04 — aber nicht in den Stra­ßen der Stadt.

Wenn es in Medi­en­be­rich­ten um die zuneh­mende Ver­ar­mung west­deut­scher Kom­mu­nen — bei gleich­zei­ti­ger Dar­stel­lung von ver­meint­li­cher Ver­schwen­dung öffent­li­cher Gel­der im Osten — geht, wird gern Gel­sen­kir­chen als Para­de­bei­spiel ins Bild gerückt. So auch in der Doku­men­ta­tion von Michael Jürgs “Wie geht’s, Deutsch­land?”, die am 5. Novem­ber im ZDF lief. Ober­bür­ger­meis­ter Frank Bara­now­ski beklagt sich darin bit­ter­lich über die Auf­wen­dun­gen sei­ner Stadt für den Soli­dar­pakt, wäh­rend daheim bei­spiels­weise die Stra­ßen ver­rot­ten wür­den, weil kein Geld zur Ver­fü­gung stünde: “Wir haben schon über­legt, ob wir das Geld nicht ein­fach ein­be­hal­ten.” Schließ­lich, so der SPD-Mann wei­ter, hät­ten die Men­schen “ein ganz fei­nes Gespür für Gerech­tig­keit.” “Gerecht” ist mit­ten im ehe­ma­li­gen Koh­len­pott wohl nur das, was Schalke 04 nutzt.

Zumin­dest lässt Gel­sen­kir­chen den finan­zi­ell her­un­ter­ge­wirt­schaf­te­ten Bun­des­li­gis­ten nicht hän­gen. Der Rat der Stadt Gel­sen­kir­chen hat am Don­ners­tag­abend einen “Millionen-Deal” der stadt­ei­ge­nen Gesell­schaft für Ener­gie und Wirt­schaft (GEW) mit dem inzwi­schen hoch ver­schul­de­ten Tra­di­ti­ons­ver­ein geneh­migt. Damit wird sich die GEW — und damit die Stadt Gel­sen­kir­chen — mit ins­ge­samt 25,5 Mil­lio­nen Euro bei Schalke 04 enga­gie­ren und “einen wich­ti­gen Bau­stein für die Neu­ord­nung der Ver­eins­fi­nan­zen” bei­tra­gen, wie es bei Gelsenkirchen.de heißt.

Schalke-Fans — und davon gibt’s tief im Wes­ten sehr viele — dürf­ten gegen die­sen “Deal” kaum etwas ein­zu­wen­den haben. Schließ­lich soll es Magath, Kurany und Co. an nichts feh­len und auch im über­dach­ten Pracht­sta­dion “Veltins-Arena” sollte im Win­ter kein Anhän­ger des Ver­eins frie­ren. Geme­ckert wird da höchs­tens beim Bund der Steu­er­zah­ler. “Bei allem aner­ken­nens­wer­ten Inter­esse, einen wich­ti­gen ört­li­chen Arbeit­ge­ber zu stüt­zen, ist es nicht Auf­gabe der Stadt, letzt­end­lich mit Steu­er­gel­dern den Pro­fi­fuß­ball zu sub­ven­tio­nie­ren, zumal von einem finan­zi­el­len Bei­trag der Spit­zen­ver­die­ner zur Sanie­rung der Klub-Finanzen bis­lang keine Rede ist”, kri­ti­sierte schon vor dem Rats­be­schluss der Vor­stand des nordrhein-westfälischen Steu­er­zah­ler­bun­des, Heinz Wirz, in der “Süd­deut­schen Zei­tung”.

Und auch die Macher des WDR-Magazins “West­pol” konn­ten nicht umhin, schon im Vor­weg den “Schalke-Deal” zynisch zu kom­men­tie­ren: “Wir freuen uns sehr, dass das hoch­ver­schul­dete Gel­sen­kir­chen so viel Geld übrig hat. Denn, wenn man schon kein Geld hat, sollte es zumin­dest für einen guten Zweck aus­ge­ge­ben wer­den.” Der Zweck hei­ligt bekannt­lich die Mit­tel. In sei­ner Repor­tage für das ZDF über den Zustand der Repu­blik 20 Jahre nach dem Mau­er­fall hatte Michael Jürgs bereits erkannt: “Kri­sen­fest ist noch die Liebe zur Fuß­ball­le­gende Schalke 04.”

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