Best of Medien

Majestätsbeleidigung

Bayern-Spieler Phil­ipp Lahm muss Prü­gel ein­ste­cken, weil er es gewagt hat, die Per­so­nal­po­li­tik sei­nes Ver­eins öffent­lich zu kri­ti­sie­ren — und das auch noch in einem Inter­view mit “rich­ti­gen” Journalisten.

8. Novem­ber 2009. Sie sahen mal wie­der dep­pert aus, die Notizblock-, Kamera– und Mikro­fon­hal­ter, die am Sams­tag­nach­mit­tag ehr­furchts­voll die Dro­hung von Bayern-Manager Uli Hoeneß gegen sei­nen Abwehr­spie­ler Phil­ipp Lahm ent­ge­gen­nah­men, um sie anschlie­ßend jour­na­lis­tisch völ­lig unre­flek­tiert der Fuß­ball­na­tion kund­zu­tun: “Sie kön­nen sich sicher sein, dass er das Inter­view noch bedau­ern wird.”

Bedau­ern” muss Phil­ipp Lahm, dass er es in einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung gewagt hatte, die Per­so­nal­po­li­tik sei­nes Ver­eins öffent­lich zu kri­ti­sie­ren: “ich glaube, in der Ver­gan­gen­heit lief das mit den Trans­fers nicht immer glück­lich.” Für so eine Majes­täts­be­lei­di­gung setzt es bei den Münch­nern ver­bale Prü­gel, auch wenn die Kri­tik wie in die­sem Fall berech­tigt ist.

Das, was Lahm den bei­den Sport­jour­na­lis­ten Andreas Bur­kert und Chris­tof Kneer mit­zu­tei­len hatte, ist wohl eine zutref­fende Beschrei­bung der Gründe dafür, warum es bei den Bay­ern mal wie­der nicht so läuft, wie es aus Sicht von Hoeneß, Rum­me­nigge und Co. eigent­lich lau­fen müsste. Nach dem 1:1 am Sams­tag gegen Schalke 04 belegt der Rekord­meis­ter in der Bun­des­liga zur­zeit nur Platz 8. In der Cham­pi­ons Lea­gue ist das Aus nach dem 0:2 gegen Bor­deaux wohl nicht mehr abzu­wen­den. Erstaun­lich ist nicht nur, dass sich der Natio­nal­spie­ler mit sei­ner fun­dier­ten Kri­tik über­haupt an die Öffent­lich­keit wagte, bemer­kens­wert ist ebenso, dass Phil­ipp Lahm die­ses nicht in “Bild” oder in der “ARD-Sportschau” tat.

Ent­spre­chend rea­gier­ten denn auch die bei­den media­len Speer­spit­zen des Unter­hal­tungs­zir­kus Bun­des­liga. “Hoeneß kün­digt harte Strafe für Lahm an”, jubelte “Bild.de” am Sams­tag­abend — obwohl im fol­gen­den Bei­trag über­haupt nichts über mög­li­che Sank­tio­nen zu lesen ist. Im Spiel­be­richt der “ARD-Sportschau” wurde Lahm zur Halb­zeit schon mal einer Ein­zel­kri­tik unter­zo­gen: “Mit­tel­mä­ßig” seien seine Leis­tun­gen nur gewe­sen. Und so einer wagt es tat­säch­lich das Manage­ment der Bay­ern öffent­lich zu kri­ti­sie­ren? Die “Sportschau”-Leute machen so etwas jeden­falls nicht. Genau wie “Bild” haben die gebüh­ren­fi­nan­zier­ten Sport­be­richt­er­stat­ter längst Bayern-Trainer Louis van Gaal zum Abschuss freigegeben.

Seit Wochen wird bei jedem Bayern-Bericht zugleich auch über die “Über­le­bens­chan­cen” des nie­der­län­di­schen Coa­ches ora­kelt. Auch Sportschau-Moderator Ger­hard Del­ling tat das an die­sem Sams­tag mit sicht­li­chem Genuss und blieb damit auf dem nied­ri­gen jour­na­lis­ti­schen Niveau, das er schon in der Son­der­sen­dung zum Raus­schmiss von Jür­gen Klins­mann Ende April selbst vor­ge­ge­ben hatte.

Zur Erin­ne­rung: damals plau­derte Del­ling 15 Minu­ten lang zur bes­ten Sen­de­zeit direkt nach der “Tages­schau” mit “Focus”-Chef Hel­mut Mark­wort. Dank Mark­worts inti­mer Kennt­nisse als Mit­glied des Auf­sichts­rats der Bay­ern erfuhr sei­ner­zeit die Fuß­ball­na­tion, dass Jür­gen Klins­mann wohl noch immer Trai­ner der Münch­ner wäre, “wenn er gegen Schalke gewon­nen hätte”. Das hat aller­dings auch mit Louis van Gaal an die­sem Sams­tag mal wie­der nicht geklappt. Umso bes­ser, dass sich Phil­ipp Lahm für sein Inter­view zumin­dest “rich­tige” Jour­na­lis­ten aus­ge­sucht hat.

Nach­trag, 8. Novem­ber 2009, 15:00 Uhr: Wie einer Pres­se­mit­tei­lung des FC Bay­ern zu ent­neh­men ist, wird Phil­ipp Lahm wegen sei­ner Kri­tik mit einer Geld­strafe belegt, “wie es sie in die­ser Höhe beim FC Bay­ern noch nicht gege­ben hat.”

Top