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Das “gefakte Finale” bei “Hit-Radio Antenne Niedersachsen”

Mit der gemein­sa­men Aktion “Mer­kel gegen Stein­meier — das gro?e Finale im Radio” woll­ten deut­sche Pri­vat­ra­dios? ihr Infor­ma­ti­ons­image auf­po­lie­ren. “Hit Radio Antenne Nie­der­sach­sen” erwies dem Pri­vat­funk durch die Aus­strah­lung so genann­ter “Fake-Interviews” aller­dings einen Bärendienst.

22. Sep­tem­ber 2009. Dass Angela Mer­kel und Frank-Walter Stein­meier in Inter­views jetzt kurz vor der Wahl ähn­li­che Ant­wor­ten auf häu­fig ver­gleich­bare Fra­gen geben, ist nicht unge­wöhn­lich. Dass die Kanz­le­rin und ihr Her­aus­for­de­rer aller­dings unter­schied­li­chen Fra­ge­stel­lern wort­wört­lich die glei­chen Aus­künfte ertei­len, ist nicht erstaun­lich, son­dern ein glat­ter Betrug am Hörer. Pas­siert ist das am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­vor­mit­tag zwi­schen 10.00 und 11.00 Uhr im Pro­gramm von “Hit-Radio Antenne Niedersachsen”.

Der Pri­vat­sen­der hatte sich gemein­sam mit 27 wei­te­ren Sta­tio­nen sowie den Lokal­ra­dios in Nordrhein-Westfalen an der Aktion “Mer­kel gegen Stein­meier — das große Finale im Radio” betei­ligt. Neben lan­des­wei­ten Pri­vat­sen­dern wie “Radio Schles­wig Hol­stein”, “Radio Ham­burg” oder “Antenne Bay­ern” konn­ten damit auch kleine Lokal­sta­tio­nen wie das baye­ri­sche “Radio Plas­sen­burg” eine Woche vor der Bun­des­tags­wahl die Spit­zen­kan­di­da­ten der bei­den gro­ßen Par­teien in ihren Pro­gram­men aus­führ­lich prä­sen­tie­ren. Die jeweils 30 Minu­ten lan­gen Inter­views mit Mer­kel und Stein­meier hatte zwei Tage zuvor Marc Weiß, im Haupt­be­ruf Nach­rich­ten­chef von “Radio NRW”, im Auf­trag der betei­lig­ten Sta­tio­nen in Ber­lin aufgezeichnet.

Wei? führte die Inter­views pro­fes­sio­nell und sou­ve­rän im Stile eines guten Haupt­stadt­kor­re­spon­den­ten. Über­ra­schende Aus­künfte, die zu Schlag­zei­len geführt hät­ten, bekam er nicht — diese Erfah­rung hat­ten aller­dings auch schon die Fern­seh­kol­le­gen eine Woche zuvor im “TV-Duell” machen müs­sen. Den­noch war das ins­ge­samt eine beacht­li­che Aktion der häu­fig — auch von blog­me­dien — geschol­te­nen Pri­vat­sen­der, wenn nicht “Hit-Radio Antenne Nie­der­sach­sen” die Inter­views “gefakt” — und damit dem Pri­vat­funk ins­ge­samt einen Bären­dienst erwie­sen hätte. Wäh­rend beim nie­der­säch­si­schen Kon­kur­ren­ten “Radio FFN” — genau wie bei den meis­ten ande­ren betei­lig­ten Sta­tio­nen — Marc Weiß die Fra­gen an Mer­kel und Stein­meier stellte, war zeit­gleich im “Hit-Radio” der eigene Nach­rich­ten­chef Georg Poe­tzsch als Inter­viewer zu hören. Durch Mode­ra­tio­nen sollte den Hörern zudem der Ein­druck ver­mit­telt wer­den, als würde Poe­tzsch die Inter­views auch tat­säch­lich selbst füh­ren? — bei­spiels­weise so:

“Unser Nach­rich­ten­chef Georg Poe­tzsch f?hlt den bei­den Kan­di­da­ten jetzt noch mal geh?rig auf den Zahn. Bei ihm am Mikro­fon sind Kanz­le­rin Mer­kel von der CDU und der SPD-Herausforderer Steinmeier.”

Schlimm an der Sache ist, dass “Hit-Radio Antenne Nie­der­sach­sen” mit die­sen Mau­sche­leien nicht nur die befrag­ten Kanz­ler­kan­di­da­ten und die eige­nen Zuhö­rer hin­ters Licht führte. Schlimm ist vor allem, dass so genannte “Fake-Interviews” inzwi­schen übli­che Pra­xis bei vie­len Sta­tio­nen sind und sich Hörer nur ganz sel­ten dar­über beschwe­ren, wie mir ein Pro­gramm­chef “ver­si­cherte”. Grund zur Freude besteht für die Pro­gramm­ma­cher aller­dings kaum. Es ist eher ein Indiz dafür, dass viele Radio­sen­der von ihren Hörern ein­fach nicht mehr ernst genom­men werden.

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