Medien

Kein Pardon mit Ulla

“Bild” hat Gesund­heits­mi­nis­te­rin Ulla Schmidt end­gül­tig zum “media­len Abschuss” frei­ge­ge­ben. Die am Diens­tag ver­öf­fent­lich­ten Argu­mente sind aller­dings alles andere als neu.

11. August 2009. Manch­mal dau­ert es etwas län­ger, bis Poli­ti­ker logi­sche Fra­gen stel­len und die Medien dar­über berich­ten. So auch im Fall der wegen der so genann­ten “Dienst­wa­gen­af­färe” zunächst in Ungnade gefal­le­nen und zwi­schen­zeit­lich cross­me­dial wie­der reha­bi­li­tier­ten Gesund­heits­mi­nis­te­rin Ulla Schmidt.

“Noch mehr Urlaub im Dienst-Benz?” fragt “Bild” in Rie­sen­let­tern auf der Titel­seite der Diens­tags­aus­gabe. Vor­der­grün­di­ger Anlass für die erneut groß­auf­ge­machte Bericht­er­stat­tung über die SPD-Politikerin ist nach Dar­stel­lung des Blat­tes ein Antrag des FDP-Finanzexperten Otto Fri­cke. Der Vor­sit­zende des Haus­halts­aus­schus­ses im Bun­des­tag ist gut zwei Wochen nach bekannt­wer­den der Affäre auf den klu­gen Gedan­ken gekom­men nach­zu­fra­gen, wie Ulla Schmidt denn in den Jah­ren seit 2004 die Fahr­ten ihres Dienst­wa­gens nach Spa­nien und zurück abge­rech­net habe. Damit griff Fri­cke (natür­lich rein zufäl­lig) logi­sche Über­le­gun­gen auf, die blog­me­dien bereits in frü­he­ren Bei­trä­gen zur “Dienst­wa­gen­af­färe” ange­stellt hatte, zum Bei­spiel am 27. Juli im Blog­ein­trag “Alle auf Ulla”:

Bis­lang hat — soweit erkenn­bar — auch noch kein Bericht­er­stat­ter her­aus­ge­fun­den, ob Ulla Schmidt in die­sem Jahr erst­mals Dienst-Mercedes, samt Fah­rer und des­sen Fami­lie wegen angeb­li­cher beruf­li­cher Ver­pflich­tun­gen über 2.500 Kilo­me­ter an die Costa Blanca fah­ren ließ.

Im blogmedien-Beitrag vom 8. August “Der Tages­spie­gel ent­las­tet Ulla Schmidt” ist nach­zu­le­sen: Die ent­schei­dende Frage bleibt indes unbe­ant­wor­tet, zumin­dest in dem “Tagesspiegel”-Artikel: Wie hat Ulla Schmidt die Spanien-Einsätze ihres Dienst­wa­gens samt Fah­rer in den ver­gan­ge­nen Jah­ren abge­rech­net — dienst­lich oder privat?

Sei’s drum. Die “Bild”-Chefredaktion hält den an sich nahe­lie­gen­den Gedan­ken, der bis­lang in den Medien schlicht­weg igno­riert — und jetzt von FDP-Politiker Fri­cke öffent­lich geäu­ßert wurde, offen­bar für so genial, dass sie dar­aus einen Auf­ma­cher pro­du­zierte und damit Schmidt end­gül­tig zum “media­len Abschuss” frei­gab. Das Zen­tral­or­gan der Deut­schen kennt kein Par­don mit Ulla. Da wer­den Ulla Schmidt wohl auch die Beschwich­ti­gungs­ver­su­che von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Stein­meier kaum noch aus der Pat­sche hel­fen. Der hatte laut “Bild” beim Nach­richtsen­der “N-TV” appel­liert: “Jetzt lasst auch Fair­ness gel­ten. Führt nicht ein­fach eine Dis­kus­sion fort, die wir been­den müs­sen, son­dern lasst uns auf das kon­zen­trie­ren, was wirk­lich Sache ist in der Gesundheitspolitik.”

Falls “Bild” — und andere — noch Muni­tion zum Nach­le­gen für den “Schmidt-Abschuss” benö­ti­gen, könn­ten sie sogar aus Stein­mei­ers ver­ba­lem Ret­tungs­ein­satz noch Argu­mente gegen Ulla Schmidt kon­stru­ie­ren. Zum Bei­spiel mit der Frage “Warum hat die zustän­dige Gesund­heits­mi­nis­te­rin Urlaub in Spa­nien gemacht, wäh­rend sich in Deutsch­land die Schwei­ne­grippe immer wei­ter aus­brei­tete?” Schmidt und/oder Stein­meier würde die Ant­wort ver­mut­lich ziem­lich schwer fal­len. FDP-Haushaltsexperte Fri­cke sollte den Par­tei­freun­den im Gesund­heits­aus­schuss gele­gent­lich einen Hin­weis geben, damit diese logi­sche — und längst über­fäl­lige — Frage nun­mehr end­lich beant­wor­tet wird. “Bild” wird es den Par­la­men­ta­ri­ern ver­mut­lich mit einem “Auf­ma­cher” dan­ken. Das käme doch im Wahl­kampf ganz gelegen.

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