Medien

Herr Wulff, seine “Neue” und die Medien

7. Juni 2006 | Kurz vor Beginn der Fußball-WM hat es Nie­der­sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Chris­tian Wulff mit sei­ner “Neuen” — vor­bei an Bal­lacks lädier­ter Wade — zum Auf­ma­cher in deut­schen Medien geschafft. Die Urauf­füh­rung der Sze­nen einer erneut geschei­ter­ten Poli­ti­ker­ehe blieb mal wie­der “Bild” vorbehalten.

Seit ges­tern sei die Tren­nung des nie­der­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Chris­tian Wulff von sei­ner Frau Chris­tiane “offi­zi­ell”, wusste Bir­git von Bent­zel am Mitt­woch­mor­gen den Zuschau­ern des RTL-Frühstücksfernsehens “Punkt 6″ zu berich­ten. “Offi­zi­ell” — bedeu­tet aus Sicht der RTL-Redakteure offen­bar, dass “Bild” am Tag zuvor mit der Schlag­zeile “Ehe kaputt!” erschie­nen war. Seit­dem wer­den die Sze­nen der wulff­schen Ehe selbst von ver­meint­lich seriö­sen Blät­tern aus­führ­lich beleuchtet.

Die Welt” wid­mete am Mitt­woch sogar ihre Hin­ter­grund­seite 3 dem aus­klin­gen­den Ehe­le­ben des Poli­ti­kers mit dem “Lieblings-Schwiegersohn-Image”. Die Geschichte mit der “Neuen” sei egent­lich nicht wirk­lich neu, sug­ge­rierte Welt-Autor Peter Dau­send den Lesern. Offen­bar wuss­ten poli­ti­sche Bericht­er­stat­ter in Han­no­ver und Ber­lin schon seit gerau­mer Zeit, dass “das Kapi­tel mit Chris­tian und Chris­tine auf ein vor­zei­ti­ges Ende” zusteu­erte: “Genüss­lich wurde bereits vor Mona­ten von einer CDU-Gremiensitzung berich­tet, bei der sich Wulff, befeu­ert von sei­nen Umfra­ge­wer­ten, zu gro­ßer Rede empor­schwang — und von einem Ministerpräsidenten-Kollegen mit der Bemer­kung gestoppt wurde, er möge doch zunächst ein­mal seine pri­va­ten Dinge klä­ren, bevor er ande­ren vor­schrei­ben könnte, was sie zu tun hät­ten”, schrieb “Die Welt” am Tag nach der “Offi­zi­ell­ma­chung” der Tren­nung durch “Bild”.

Bei der jetzt ange­sag­ten Durch­leuch­tung der Intim­sphäre deut­scher Poli­ti­ker mischte auch die “Ber­li­ner Zei­tung” in ihrer Mitt­wochs­aus­gabe kräf­tig mit. Unter dem Titel “Das wahre Leben der CDU” sorgte sich das Blatt, das erst seit weni­gen Tagen von dem aus­gie­big Bou­le­vard erprob­ten Chef­re­dak­teur Josef Depen­brock geführt wird, um den mora­li­schen Zustand der christ­de­mo­kra­ti­schen Poli­ti­kerelite. Her­aus kam ein ver­meint­lich wei­te­rer Skan­dal: Hil­de­gard Mül­ler, Staats­mi­nis­te­rin im Kanz­ler­amt und enge Ver­traute von CDU-Chefin Angela Mer­kel, erwarte in die­sem Jahr ein unehe­li­ches Kind. Der Lebens­ge­fährte und Vater des Kin­des sei ver­hei­ra­tet und habe sei­ner­seits schon zwei Kin­der. Doch Vor­sicht — diese Geschichte muss noch “offi­zi­ell” von “Bild” bestä­tigt werden.

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