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ZDF-Ausflug nach “Haribo Island”

11. Okto­ber 2005 | Das ZDF dul­det wei­ter­hin Schleich­wer­bung im eige­nen Pro­gramm, obwohl Inten­dant Mar­kus Schäch­ter erst am ver­gan­ge­nen Frei­tag voll­mun­dig das Aus für dubiose Pro­dukt­plat­zie­run­gen ver­kün­det hatte. Fast zeit­gleich durfte Gummibärchen-Produzent Haribo in der Sen­dung “Hallo Deutsch­land” den Gewin­ner einer Insel vor Kanada prä­sen­tie­ren. Mit dabei: ZDF-Ikone Tho­mas Gottschalk.

 

Haribo macht Kin­der froh und Erwach­sene ebenso” — ver­mut­lich nicht jedoch ZDF-Intendant Mar­kus Schäch­ter. Dem steht wohl Ärger wegen einer gemein­sa­men Wer­be­ak­tion sei­ner Pro­gramm­leute mit dem Bon­ner Süß­wa­ren­her­stel­ler ins Haus. Dabei hatte Schäch­ter erst ver­gan­ge­nen Frei­tag im Anschluss an eine Sit­zung sei­nes Fern­seh­rats in Schwe­rin voll­mun­dig sei­nen Sen­der für schleich­wer­bungs­frei erklärt: “Was in der Ver­gan­gen­heit Kri­tik aus­ge­löst hat, haben wir zügig abge­stellt.” Gemeint hat er damit die dubio­sen Pro­dukt­plat­zie­rungs­prak­ti­ken, von denen auch das ZDF in der Ver­gan­gen­heit nicht ver­schont geblie­ben war. Das sei nun nicht mehr mög­lich, ver­si­cherte der oberste Dienst­herr aller Main­zel­männ­chen wei­ter, schließ­lich habe man im Jahr 2004 “Kon­troll­me­cha­nis­men” ein­ge­führt, die sich als wirk­sam erwie­sen hätten.

Mit Haribo und Tommy in der kana­di­schen Wildnis

Dass diese “Kon­troll­me­cha­nis­men” wohl doch noch gewal­tige Lücken haben, zeigte sich noch am sel­ben Tag. Am spä­ten Frei­tag­nach­mit­tag wurde im Bou­le­vard­ma­ga­zin “Hallo Deutsch­land” erneut kräf­tig Schleich­wer­bung betrie­ben — dies­mal für “Haribo”. In einem Bei­trag war ZDF– Super­star Tho­mas Gott­schalk zu sehen, wie er als zünf­ti­ger Natur­bur­sche ver­klei­det, den Gewin­ner einer Inter­net­ak­tion des Gummibärchen-Produzenten samt bes­tem Freund und Eltern auf einem abge­le­ge­nen Eiland vor der Ost­küste Kana­das begrüßte.

Mat­thias Roß, so der Name des jun­gen Man­nes aus der Nähe von Aschaf­fen­burg, hatte im Mai die­ses Jah­res unter rund 700.000 Teil­neh­mern die Insel gewon­nen. Jetzt half ihm Gott­schalk bereit­wil­lig bei der Inspek­tion sei­nes 50.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Besit­zes, gab ver­meint­lich kluge Rat­schläge für das Über­le­ben in der Wild­nis und pad­delte für das Kame­ra­team mit dem Indus­trie­me­cha­ni­ker am Ufer von “Haribo Island” ent­lang. Damit bei den Fern­seh­zu­schau­ern zu Hause erst gar keine Zwei­fel über den Spen­der des Gewinns im Wert von rund 200.000 US-Dollar auf­ka­men, wurde gleich noch ein Stück der Original-Gummibärchenwerbung mit Gott­schalk und dem Mar­ken­na­men “Haribo” eingeblendet.

Keine Ant­wort aus Mainz

Ange­sichts der anhal­ten­den Dis­kus­sion um Schleich­wer­bung und unter dem beson­de­ren Ein­druck der voll­mun­di­gen Ver­spre­chun­gen von Inten­dant Schäch­ter, stellt sich nun die Frage, wer den Trip des Fern­seh­teams nach Kanada finan­ziert hat? Das ZDF scheint in Erklä­rungs­not gera­ten zu sein. Auf eine ent­spre­chende Anfrage, schweigt Pres­se­spre­cher Wal­ter Kehr bis­lang beharrlich.

Wohl nicht ohne Grund: Die Bestä­ti­gung einer Finan­zie­rung durch “Haribo” hätte ver­mut­lich den nächs­ten “Schleich­wer­bungs­skan­dal” zur Folge. Ande­rer­seits könn­ten die öffentlich-rechtlichen Fern­seh­ma­cher kaum erklä­ren, warum sie auf Kos­ten der Gebüh­ren­zah­ler ein Team in die kana­di­sche Wild­nis schi­cken, um die Gewinn­über­gabe der “Haribo-Aktion” zu fil­men. Auch der Gum­mi­bär­chen­pro­du­zent wollte auf Anfrage bis­lang nicht ver­ra­ten, ob er die Fern­seh­pro­duk­tion teil­weise oder gar ganz finan­ziert hat. “Hallo Deutschland”-Moderatorin Yvonne Rans­bach kam die Sache indes offen­bar schon nach Aus­strah­lung des “Haribo-Filmchens” am Frei­tag nicht geheuer vor. Die ZDF-Frau wirkte sicht­lich ver­le­gen, als sie müh­sam zum nächs­ten Maga­zin­bei­trag über­lei­ten wollte.

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