Medien

Abwrackprämie für Kerner

Mit der Verpflichtung des „Flach-Plauderers“ (turi2) entwickelt sich Sat.1 immer mehr zur „Bad Bank“ des deutschen Fernsehens

22. April 2009. Gute Nachrichten sind selten geworden in der krisengeschüttelten Medienlandschaft. Heute kam dennoch eine, ausgerechnet vom heuschreckengeplagten Bällchen-Sender: „Johannes B. Kerner wechselt exklusiv zu Sat.1“. Ab Januar 2010 soll der „neue Top-Moderator“ dort „ein wöchentliches, journalistisches Live-Magazin mit aktuellen Gästen und Themen moderieren“ und außerdem die Champions-League-Spiele „präsentieren“.

Das ZDF – und das ist die gute Nachricht – wollte „die Forderungen von Johannes B. Kerner nach der Länge der Vertragsdauer und Honorierung nicht akzeptieren“ – so wird Programmdirektor Thomas Bellut zumindest von Bild.de zitiert. Fast möchte man den ZDF-Oberen für diesen Verzicht Lob zollen, hätten sie nicht jahrelang dem Treiben des geschäftstüchtigen Moderators tatenlos zugesehen und ihn dabei auch noch gegen jede berechtigte Kritik vehement verteidigt.

Zur Erinnerung: Kerner zerrte das unzählige Male vergewaltigte Entführungsopfer Stephanie aus Dresden vor die Kamera, inszenierte eine Art Femegericht gegen TV-Moderatorin Eva Herman, ließ Kollegin Andrea Kiewel in seiner Sendung fröhlich für die Weight Watchers schleichwerben und lud seinen Freund Joachim Hunold zur Diskussion mit den Politikern Kurt Beck und Oskar Lafontaine ins Studio ein. Das war wohl eine besonders gute Idee – kurz darauf bekam Kerner von dem Geschäftsführer der Fluggesellschaft Air Berlin einen lukrativen Werbevertrag.

Kerner als Werbeikone für den Air Berlin-Börsengang im Jahr 2006

Sein Einsatz in TV-Spots und auf Plakaten für die Aktien der Luftlinie endete im Frühjahr 2006 allerdings mit einer Bruchlandung. Der Börsengang musste zunächst verschoben – schließlich der Ausgabekurs der Aktien gesenkt werden. Dem umtriebigen Moderator hat das nicht geschadet. Die Chefetage der Mainzelmänner verlängerte dennoch die Zusammenarbeit mit Kerner bis Ende 2009.

Und nun ist bald Schluss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit dem „Flach-Plauderer“, wie ihn der Mediendienst turi2 heute zutreffend nennt. Die „Abwrackprämie“ für den Wechsel zahlt ausgerechnet das krisengeschüttelte Sat.1. Nach Schätzungen irgend eines „Insiders“ sollen das laut Sueddeutsche.de vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr sein. Nicht auszuschließen ist, dass dafür wieder einige Sat.1-Redakteure umgesiedelt oder gleich ganz gefeuert werden.

Kerner kann das ziemlich egal sein. Er freut sich auf die neue Aufgabe: „Sat.1 bietet erstklassige inhaltliche Perspektiven in der Kombination von Information, Show und Sport“. Willkommen in der „Bad Bank“ des deutschen Fernsehens, die so ziemlich alles einsammelt, was einem den Spaß am Fernsehen verleiden kann: Von der Tour de France (2007) über Oliver Pocher bis zu Johannes B. Kerner. Die ZDF-Oberen sollten derweil in Erwägung ziehen, Kerner bis zum Ende des Jahres „von der Verpflichtung zur Arbeitsleistung freizustellen“, selbst wenn die vertraglich vereinbarten Honorare ausgezahlt werden müssten.

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