Ganz schön beKLOPPt

Ginge es nach Deutschlands Leitmedien, dann wäre der angekündigte Rücktritt des Dortmunder Trainers Jürgen Klopp das wichtigste Ereignis in dieser Woche. Für die taz sind 400 Menschenleben wichtiger.

Deutsche Leitmedien im Klopp-Abschiedsfieber – nur die taz mochte da nicht mitmachen. Bildquellen: Meedia.de, ZDF-Mediathek

400 tote Flüchtlinge im Mittelmeer, die heftig umstrittene Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland oder Googles massiver Ärger mit der EU. Selbst Bayerns 1:3-Schlappe beim FC Porto wurde in dieser Woche zur Nebensache für die meisten deutschen Medien, nur weil Jürgen Klopp am Mittwoch im “richtigen Moment” (Die Welt) seinen “starken Abgang beim BVB” (Bild) zelebrierte. Folgt man Bild.de steht Dortmund seitdem unter “Klopp-Schock”.

Die Mainzelmänner machten den “Hammer des Tages” am Mittwochabend zum Aufmacher aller ihrer heute-Sendungen und am Donnerstag gleich auch noch zum “Top Thema” des Morgenmagazins. Die meisten Tageszeitungen, darunter auch Qualitätsblätter wie die Süddeutsche Zeitung, hievten Bilder des traurig dreinschauenden Fußballlehrers auf ihre Titelseiten. Private Fernsehsender, allen voran RTL, bastelten in aller Eile journalistisch völlig verunglückte Nachrufe auf den Dortmunder Fußball- und Volkshelden zusammen.  Ob dessen Demission wirklich so “logisch” und vollends freiwillig war, wie es auch die ortsansässigen Westfälischen Nachrichten kommentieren, hat offenbar niemand ernsthaft hinterfragt. Deutschlands Sportjournalisten waren in den vergangenen Tagen schließlich damit beschäftigt, Klopp ausgiebig zu würdigen und nicht etwa in Frage zu stellen.

Zum Glück verzichtete die ARD diesmal auf ein unsägliches Sportschau-Extra - so wie nach Klinsmanns Rausschmiss bei Bayern München vor sechs Jahren. Selbst die Tagesschau mochte sich der verbreiteten Abschiedseuphorie nicht so recht anschließen. In der 20 Uhr-Ausgabe mussten Klopp-Anhänger fast zwölf Minuten auf ihr Idol warten. In der “Mutter aller Nachrichtensendungen” wurde dem scheidenden Fußballtrainer der Platz zugewiesen, der ihm auch zusteht: Nach den wichtigten Nachrichten des Tages, fast am Ende der Sendung. Danach folgte nur noch eine Meldung über den erneuten Trainerwechsel beim HSV. Bruno Labbadia wird ohnehin nicht so lange im Amt bleiben, wie Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund. Das waren immerhin sieben Jahre.

Wie unangemessen und aufgebauscht die Berichterstattung über den Trainer-Rücktritt war, führte die taz-Redaktion am Donnerstag den Berufskollegen in Deutschlands Leitmedien vor: Über die gesamte Titelseite der Tageszeitung erschien eine Todesanzeige mit dem Text:

400 Menschen – gestorben am 12. April 2015. Plötzlich und leider erwartbar ist vor der Küste Libyens erneut ein Flüchtlingsschiff untergegangen. Weniger als 150 der circa 550 Insassen wurden gerettet. Die Redaktion der taz

Auf den Titelseiten von Bild & Co. stand für dieses Thema kein Platz zur Verfügung.

Anmerkungen zum Absturz des Journalismus…

…nach der Flugzeugkatastrophe am Dienstag und der medialen Hinrichtung des Germanwings-Copiloten, der für den Tod von 149 Menschen verantwortwortlich sein soll.

Titelseiten deutscher Tageszeitungen am 27. März 2015

Es ist schon fast ein makaberer Zufall, dass am kommenden Montag das Thema “Steckt der deutsche Journalismus in der Krise?” auf dem Plan des Seminars im Modul “Content 1″ steht. Wenn ich mir die häufig würdelose Katastrophen-Berichterstattung vieler (nicht aller) deutscher Medien nach dem furchtbaren Absturz einer Germanwings-Maschine über den fanzösischen Alpen vor Augen halte, kann die Antwort nur “Ja!” lauten. Weiterlesen →

Unsere schönsten Bilder aus 2014

Wir überlassen unseren privaten Jahresrückblick nicht Facebook, sondern “bauen” uns unsere Erinnerungen lieber selbst zusammen. Heiligabend hatte bereits die 13. Ausgabe von Julias Jahresvideo Premiere.

JULIA 2014 – die schönsten Bilder des Jahres mit den Höhepunkten aus den vergangenen zwölf Monaten ging Ende Dezember an Freunde, Verwandte und Mitwirkende. Im Trailer seht ihr einige Szenen aus unserem 46 Minuten langen privaten “Filmkunstwerk” mit Bildern unter anderem aus New York, Texas, Amsterdam, Barcelona, Marseille und Hamburg.

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Wie ein schlimmes Déjà-vu

Der in dieser Woche veröffentlichte Bericht des US-Senats über die Foltermethoden des Geheimdienstes CIA war mehrere Tage “Aufmacher” in deutschen Leitmedien. Schon vor zehneinhalb Jahren war die “ganze Welt” über den “Folterskandal von Abu Ghraib” schockiert. In der Medienberichterstattung sind durchaus Parallelen erkennbar.

Es war ein reiner Zufall. Als ich am Dienstag dieser Woche in meinen Seminaren zum Thema “Gezielte Internetrecherche” das Projekt “Folter frei – Abu Ghraib in den Medien” behandelte, waren unsere Leitmedien “voll” mit Nachrichten, Hintergründen und Kommentaren zu den – angeblich erst jetzt in ihrem ganzen Ausmaß bekannt gewordenen – Foltermethoden des US-Geheimdienstes CIA. Anlass war die Veröffentlichung der Zusammenfassung eines Berichts des US-Senats in der auf insgesamt 525 Seiten grausame Verhörmethoden “aufgelistet” werden. Weiterlesen →

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Das ist gar nicht mal so “kacke”

Beobachtungen bei Twitters Aufstieg in Deutschland während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien

Das waren noch Zeiten, als Fußball-Fans zu Hause vor dem Fernseher Salzstangen knabbernd und Bier trinkend die Spiele deutscher Nationalmannschaften bei der WM verfolgten. Heutzutage werden Jogis Jungs vorzugsweise beim so genannten Public Viewing, in einem Vereinsheim oder in der Stammkneipe anfeuert. So drängten sich beim Viertelfinalsieg der Deutschen gegen Frankreich über Einhundertausend Menschen bei glühender Hitze auf der Berliner Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und “Goldener Else” – das sind mehr Zuschauer als ein Fußballstadion aufnehmen kann. Weiterlesen →

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Noch ein olympisches Milliardengrab

Rund drei Milliarden Fernsehzuschauer haben am vergangenen Freitag weltweit angeblich die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi verfolgt – das behaupten zumindest Spiegel Online, Welt.de und Co. “Nachgezählt” hat das offenbar niemand….

“40.000 Zuschauer im Fischt-Stadion in Sotschi und rund 3 Milliarden Fernsehzuschauer weltweit verfolgten das zweieinhalbstündige Spektakel”, berichtete am Freitagabend die Deutsche Welle auf ihrer Website zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi. Spiegel Online wusste am selben Abend, dass “rund drei Milliarden vor den Fernsehern weltweit die Panne des Abends” verfolgten: “Aus einem Sternenbild hätten sich die fünf Olympischen Ringe entfalten sollen, doch einer der Sterne versagte seinen Dienst.” Dabei waren in den drei Milliarden nicht einmal die russischen Fernsehzuschauer enthalten, wie Welt.de klarzustellen glaubte: “Im Gegensatz zu den 40.000 Menschen im Fischt-Stadion und den drei Milliarden an den Bildschirmen weltweit, sahen die Fernsehzuschauer des flächengrößten Landes der Erde nicht, wie eine stilisierte Schneeflocke geschlossen blieb.” Das russische Staatsfernsehen hatte doch glatt “ein Bild von den Proben hineinmontiert”. Weiterlesen →

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So viel “Bild” muss nun wirklich nicht sein

Springer hat in dieser Woche für alle digitalen Angebote seines Boulevardblatts eine Bezahlschranke aufgebaut. Ich halte “BILDplus” für einen gewagten “Paradigmenwechsel”.

Die Hochwasserkatastrophe ist seit knapp zwei Wochen ein Top-Thema in der gedruckten „Bild“ und ihren digitalen Ablegern. Zum Nulltarif sind die Berichte aus den überfluteten Regionen seit Dienstag dieser Woche allerdings nur noch begrenzt zu haben. Springer hat die seit längerer Zeit angekündigte Bezahlschranke aufgebaut. Weiterlesen →

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Endlich was Eigenes!

Persönliche Erinnerungen an den Sendestart von Antenne MV vor 20 Jahren.

“Hier ist Antenne MV – der erste landesweite Privatsender in Mecklenburg-Vorpommern. Ab jetzt senden wir täglich 24 Stunden lang. Mein Name ist Peter Kranz. Ich wünsche Ihnen einen schönen Pfingstmontag – und vor allem guten Empfang.” Weiterlesen →

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