Noch ein olympisches Milliardengrab

Rund drei Milliarden Fernsehzuschauer haben am vergangenen Freitag weltweit angeblich die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi verfolgt – das behaupten zumindest Spiegel Online, Welt.de und Co. “Nachgezählt” hat das offenbar niemand….

“40.000 Zuschauer im Fischt-Stadion in Sotschi und rund 3 Milliarden Fernsehzuschauer weltweit verfolgten das zweieinhalbstündige Spektakel”, berichtete am Freitagabend die Deutsche Welle auf ihrer Website zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi. Spiegel Online wusste am selben Abend, dass “rund drei Milliarden vor den Fernsehern weltweit die Panne des Abends” verfolgten: “Aus einem Sternenbild hätten sich die fünf Olympischen Ringe entfalten sollen, doch einer der Sterne versagte seinen Dienst.” Dabei waren in den drei Milliarden nicht einmal die russischen Fernsehzuschauer enthalten, wie Welt.de klarzustellen glaubte: “Im Gegensatz zu den 40.000 Menschen im Fischt-Stadion und den drei Milliarden an den Bildschirmen weltweit, sahen die Fernsehzuschauer des flächengrößten Landes der Erde nicht, wie eine stilisierte Schneeflocke geschlossen blieb.” Das russische Staatsfernsehen hatte doch glatt “ein Bild von den Proben hineinmontiert”.

Es ist schon erstaunlich, dass Redakteure in deutschen Leitmedien völlig unreflektiert mit Milliarden nur so um sich werfen, vor allem wenn es um Superlative im Sport geht. Es bedarf nun wirklich keiner ausgiebigen wissenschaftlichen Analyse – sondern nur etwas Logik um zu erkennen, dass die Eröffnungsfeier in Sotschi keinesfalls von drei Milliarden Fernsehzuschauern verfolgt werden konnte – das wären immerhin knapp 42 Prozent der Gesamtbevölkerung von 7,2 Milliarden, die die Erde nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung am Jahresende 2013 hatte.

Gemessen an dieser gewaltigen Quote sind wir Deutschen regelrechte Olympiamuffel. Hierzulande hatten immerhin 8,99 Millionen Zuschauer am Freitagnachmittag das ZDF – und damit Putins PR-Show – eingeschaltet. Auch wenn der Olympia-Auftakt aus Sicht des Mediendienstes DWDL “prächtig für die Mainzer” verlief, waren es letztlich doch nur etwa 10 Prozent aller Deutschen, die zusahen.

Ähnlich groß wie in Deutschland war am vergangenen Freitag auch das Interesse der us-amerikanischen Fernsehzuschauer am Olympia-Start. Dort haben laut Quotenmeter rund 31,7 Millionen Menschen die von NBC übertragenen Bilder aus Sotschi gesehen. Das sind etwas mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung der USA. Unter Berücksichtigung der ermittelten Werte für Deutschland und die USA, fehlen also “nur” noch 2,96 Milliarden, um auf die kolportierte weltweite Zuschauerzahl von drei Milliarden zu kommen. Vielleicht waren ja die Chinesen eifrige Olympia-Fans? Die hätten allerdings mitten in der Nacht aufstehen müssen, um an ihren Fernsehgeräten gebannt mitzuerleben, wie Wladimir Putin um 2:16 Uhr Pekinger Ortszeit im fernen Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele für eröffnet erklärte. Vermutlich war das wohl nicht der Fall. Auch in Bangladesch, Peru, Zimbawe und anderswo dürfte sich das Interesse an dem Spektakel in Sotschi wohl in Grenzen gehalten haben; mal vorausgesetzt, dass Menschen dort überhaupt Zugang zum Fernsehen haben.

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So viel “Bild” muss nun wirklich nicht sein

Springer hat in dieser Woche für alle digitalen Angebote seines Boulevardblatts eine Bezahlschranke aufgebaut. Ich halte “BILDplus” für einen gewagten “Paradigmenwechsel”.

Die Hochwasserkatastrophe ist seit knapp zwei Wochen ein Top-Thema in der gedruckten „Bild“ und ihren digitalen Ablegern. Zum Nulltarif sind die Berichte aus den überfluteten Regionen seit Dienstag dieser Woche allerdings nur noch begrenzt zu haben. Springer hat die seit längerer Zeit angekündigte Bezahlschranke aufgebaut. Weiterlesen →

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Endlich was Eigenes!

Persönliche Erinnerungen an den Sendestart von Antenne MV vor 20 Jahren.

“Hier ist Antenne MV – der erste landesweite Privatsender in Mecklenburg-Vorpommern. Ab jetzt senden wir täglich 24 Stunden lang. Mein Name ist Peter Kranz. Ich wünsche Ihnen einen schönen Pfingstmontag – und vor allem guten Empfang.” Weiterlesen →

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Rider on the Storm

Warum der Doors-Keyboarder Ray Manzarek ausgerechnet in der oberbayerischen Provinz verstarb. Dank engagierter Lokaljournalisten wissen wir’s.

„Am Strand von Venice Beach in Kalifornien hatte Ray Manzarek im Sommer 1965 zusammen mit Jim Morrison die Band The Doors gegründet. Nun starb der Keyboarder der legendären Rockgruppe in einem Krankenhaus in Rosenheim an Gallengangkrebs.“ Weiterlesen →

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CNN: Shame on you

Eine offensichtlich „gefakte“ Satellitenschaltung hat mein bislang (zu) großes Vertrauen in den Nachrichtensender CNN nachhaltig beeinträchtigt.

„So langsam schäme ich mich, für diesen Sender einst gearbeitet zu haben.“ Das ist die Reaktion von Richard Gutjahr bei Twitter auf die Information, dass der Nachrichtensender CNN am Dienstag offensichtlich eine so genannte „Satellitenschalte“ vorgetäuscht hat. Dabei bezieht sich der renommierte deutsche Blogger auf Recherchen, die der amerikanische Informationsdienst Atlantic Wire am 7. Mai öffentlich gemacht hatte. Weiterlesen →

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„Sie sind Moslems“

Die Suche nach den Motiven der Bostoner Attentäter führte bei ZEIT ONLINE zu einer schlimmen journalistischen Entgleisung.

Was war bloß los am vergangenen Samstagabend in der Redaktion von ZEIT ONLINE?  Um 19.57 Uhr erschien in dem Webportal ein Beitrag mit der Hauptzeile „Rätseln über die Motive der Boston-Attentäter“. Am Abend nach der Festnahme des 19jährigen Dschochar Zarnajew befasste sich Autor Ragnar Vogt mit den möglichen Hintergründen der furchtbaren Anschläge während des Boston Marathons. Weiterlesen →

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Untergetaucht in Watertown

Wo waren ARD- und ZDF-Korrespondenten als in der Nacht zum Samstag der zweite Bostoner Terrorverdächtige festgenommen wurde?

Die erste Meldung über die Festnahme des zweiten Terrorverdächtigen wurde am Freitagabend um 20.58 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit vom Boston Police Department über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. Schon wenige Minuten später berichteten Reporter der US-Nachrichtenkanäle CNN und Fox News live aus dem Bostoner Vorort Watertown, wo der 19jährige Dschochar Zarnajew nach einem Schusswechsel mit der Polizei im Garten eines Hauses festgenommen worden war. Gemeinsam mit seinem sieben Jahre älteren Bruder Tamerlan, der am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde, soll der aus Tschetschenien stammende Student für die verheerenden Bombenanschläge beim Boston Marathon am Montag verantwortlich sein. Weiterlesen →

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Couragierte NDR-Journalisten…

…stellen den eigenen Programmdirektor öffentlich an den Pranger.

Ich wüsste nicht wie ich reagieren sollte, wenn Studenten der Fakultät Medien an der Hochschule Mittweida in einem Beitrag auf dem von mir verantworteten Webportal  medienMITTWEIDA vermeintliche Untaten aus meiner beruflichen Vergangenheit veröffentlichen würden. Ich weiß auch nicht wie Frank Beckmann reagiert hat, als er sich am späten Mittwochabend im NDR-Medienmagazin „ZAPP“ den Beitrag „Feiern über Gebühr – Ermittlungen zu KiKA-Fest“ ansehen musste. Zumindest konnte (oder wollte?) der TV-Manager die Ausstrahlung des Berichts in eigener Sache nicht verhindern. Weiterlesen →

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Der Dumme ist – fast immer – der Abgemahnte

Unbequeme Blogger unter Hausarrest zu stellen so wie in China, ist in Deutschland gesetzlich nicht möglich. Hierzulande gibt es subtilere Methoden: Wer sich kritisch im Internet äußert, muss damit rechnen, wirtschaftlich ruiniert zu werden.

Dank unklarer Gesetze haben Juristen in den vergangenen Jahren eines der wenigen funktionierenden Geschäftsmodelle der Onlinemedien entwickelt: Abmahnungen, zumeist wegen tatsächlicher oder möglicher Urheberrechtsverletzungen. Der Dumme ist fast immer der Abgemahnte, weil er aufgrund der bedrohlich wirkenden Anwaltsschreiben entweder die – vielfach völlig überhöhten – Abmahnkosten zahlt oder selbst einen Anwalt einschaltet, der für seine „Bemühungen“ selbstverständlich seinerseits ein Honorar fordert. Auf diesen Kosten bleibt der Abgemahnte fast immer „sitzen“, selbst wenn sich die Forderung der Gegenseite als völlig ungerechtfertigt erweist. Weiterlesen →

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“Klar, dass auch Thomas Gottschalk seine Finger mit im Spiel hatte”

Die dubiosen Gewinnspiel-Kooperationen bei „Wetten, dass…?“ zeigen, dass die obersten Mainzelmänner in Sachen Schleichwerbung nichts dazu gelernt haben. Kein Wunder, wenn ZDF-Intendant Thomas Bellut sogar nachgewiesene Programmverstöße hartnäckig ignoriert.

Sorry, ich bin ein wenig spät mit meinem Nachklapp zu Maybrit Illners Plauderrunde am vergangenen Donnerstag (17. Januar), weil ich mir die Sendung um „Gebühren, Quoten, Qualität“ erst heute in der ZDF-Mediathek angesehen – und dabei nicht schlecht gestaunt habe. Weiterlesen →

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