Ein Hoch auf die Panoramafreiheit

Das ist ja mal ein Zufall. In der Klausur “Content 1″ hatte der Kollege Professor Johannes Handschumacher erst kürzlich die Frage gestellt: Was versteht man unter dem Begriff „Panoramafreiheit“? Die korrekte Antwort gab am Donnerstag das Europäische Parlament “mit überwältigender Mehrheit” – wie unter anderem Spiegel Online berichtet.

“Panoramafreiheit” bedeutet, dass öffentliche Gebäude, Baudenkmäler oder Kunstwerke im so genannten “öffentlichen Raum” fotografiert oder gefilmt werden dürfen, ohne dass dafür Genehmigungen – z. B. von Architekten – erforderlich sind oder gar Gebühren fällig werden.

Vor gut einer Woche hatte sich der Rechtsausschuss des EU-Parlaments noch für erhebliche Verunsicherung gesorgt, weil sich die Abgeordneten des Gremiums mehrheitlich für eine Ausweitung der Urheberrechte aussprachen. Danach sollte in allen EU-Mitgliedstaaten die “Panoramafreiheit” bei kommerzieller Nutzung der Aufnahmen – zum Beispiel durch Berufsfotografen – beschnitten werden.

Das hätte durchaus auch Folgen für Hobbyfotografen und -filmer haben können, weil es im Zusammenhang mit der Verwendung solchen Bildmaterials im Internet keine eindeutigen Grenzen zwischen professioneller und privater Nutzung gibt. Aufgrund der großen Rechtsunsicherheit mag sich schon so mancher (Abmahn-) Anwalt die Hände gerieben haben. Zu früh gefreut.

Am Donnerstags kam nämlich Entwarnung für Fotografen, Filmemacher und Selfie-Künstler gleichermaßen: Mit großer Mehrheit wurde die Einschränkung der Panoramafreiheit im EU-Parlement abgelehnt. Damit dürfen das Brandenburger Tor in Berlin, der Big Ben in London oder der Stephansdom in Wien auch künftig bedenkenlos abgelichtet werden, zumindest wenn das von einem öffentlich zugänglichen Verkehrsweg aus geschieht – zum Beispiel von der Straße.

Für Julia Reda ist das Thema “Panoramafreiheit” mit dem Votum im EU-Parlament allerdings noch längst nicht erledigt. Die deutsche Europa-Abgeordnete der Piratenpartei beklagt zu Recht, dass in mehreren Mitgliedsstaaten der EU die Panoramafreiheit entweder stark beschnitten wird – oder gar nicht gilt, so wie in Frankreich, Italien und Griechenland. Mehr dazu ist auf Website der Piratin nachzulesen.

Und die Moral aus der Geschichte: Manchmal tun Europa-Abgeordnete doch etwas Gutes für uns – so wie Julia Reda zum Beispiel. Jetzt will sie es mit viel Überzeugungsarbeit auch noch schaffen, dass nach Novellierung des europäischen Urheberrechts die in einigen Ländern vorerst weiterhin bestehenden Beschränkungen demnächst beseitigt werden. Ein Hoch auf die Panoramafreiheit in ganz Europa.

Nicht ohne mein Smartphone

Das Smartphone ist auf dem Weg das vorherrschende Empfangsgerät für Nachrichten zu werden. Das ist ein Kernergebnis des Digital News Reports 2015, der in der vergangenen Woche vom Reuters Institute for the Study of Journalism an der University of Oxford veröffentlicht wurde. Zudem werden Facebook, YouTube oder Twitter für die Vermittlung von Nachrichten immer größere Rollen spielen. Weiterlesen →

Ganz schön beKLOPPt

Deutsche Leitmedien im Klopp-Abschiedsfieber – nur die taz mochte da nicht mitmachen. Bildquellen: Meedia.de, ZDF-Mediathek

Ginge es nach Deutschlands Leitmedien, dann wäre der angekündigte Rücktritt des Dortmunder Trainers Jürgen Klopp das wichtigste Ereignis in dieser Woche. Für die taz sind 400 Menschenleben wichtiger. Weiterlesen →

Anmerkungen zum Absturz des Journalismus…

…nach der Flugzeugkatastrophe am Dienstag und der medialen Hinrichtung des Germanwings-Copiloten, der für den Tod von 149 Menschen verantwortwortlich sein soll.

Titelseiten deutscher Tageszeitungen am 27. März 2015

Es ist schon fast ein makaberer Zufall, dass am kommenden Montag das Thema “Steckt der deutsche Journalismus in der Krise?” auf dem Plan des Seminars im Modul “Content 1″ steht. Wenn ich mir die häufig würdelose Katastrophen-Berichterstattung vieler (nicht aller) deutscher Medien nach dem furchtbaren Absturz einer Germanwings-Maschine über den fanzösischen Alpen vor Augen halte, kann die Antwort nur “Ja!” lauten. Weiterlesen →

Unsere schönsten Bilder aus 2014

Wir überlassen unseren privaten Jahresrückblick nicht Facebook, sondern “bauen” uns unsere Erinnerungen lieber selbst zusammen. Heiligabend hatte bereits die 13. Ausgabe von Julias Jahresvideo Premiere.

JULIA 2014 – die schönsten Bilder des Jahres mit den Höhepunkten aus den vergangenen zwölf Monaten ging Ende Dezember an Freunde, Verwandte und Mitwirkende. Im Trailer seht ihr einige Szenen aus unserem 46 Minuten langen privaten “Filmkunstwerk” mit Bildern unter anderem aus New York, Texas, Amsterdam, Barcelona, Marseille und Hamburg.

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Wie ein schlimmes Déjà-vu

Der in dieser Woche veröffentlichte Bericht des US-Senats über die Foltermethoden des Geheimdienstes CIA war mehrere Tage “Aufmacher” in deutschen Leitmedien. Schon vor zehneinhalb Jahren war die “ganze Welt” über den “Folterskandal von Abu Ghraib” schockiert. In der Medienberichterstattung sind durchaus Parallelen erkennbar.

Es war ein reiner Zufall. Als ich am Dienstag dieser Woche in meinen Seminaren zum Thema “Gezielte Internetrecherche” das Projekt “Folter frei – Abu Ghraib in den Medien” behandelte, waren unsere Leitmedien “voll” mit Nachrichten, Hintergründen und Kommentaren zu den – angeblich erst jetzt in ihrem ganzen Ausmaß bekannt gewordenen – Foltermethoden des US-Geheimdienstes CIA. Anlass war die Veröffentlichung der Zusammenfassung eines Berichts des US-Senats in der auf insgesamt 525 Seiten grausame Verhörmethoden “aufgelistet” werden. Weiterlesen →

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