CNN: Shame on you

Eine offensichtlich „gefakte“ Satellitenschaltung hat mein bislang (zu) großes Vertrauen in den Nachrichtensender CNN nachhaltig beeinträchtigt.

„So langsam schäme ich mich, für diesen Sender einst gearbeitet zu haben.“ Das ist die Reaktion von Richard Gutjahr bei Twitter auf die Information, dass der Nachrichtensender CNN am Dienstag offensichtlich eine so genannte „Satellitenschalte“ vorgetäuscht hat. Dabei bezieht sich der renommierte deutsche Blogger auf Recherchen, die der amerikanische Informationsdienst Atlantic Wire am 7. Mai öffentlich gemacht hatte.

Bei der Berichterstattung über die Befreiung von drei Frauen, die vor neun Jahren  entführt – und seitdem in einem Haus in Cleveland/Ohio gefangen gehalten worden waren, sprach CNN-Nachrichtenmoderatorin Ashleigh Banfield am Dienstag angeblich live via Satellit mit Kollegin Nancy Grace. Anhand von Screenshots wird im Atlantic Wire jedoch nachgewiesen, dass sich beide CNN-Frauen vom selben Parkplatz in Phoenix/Arizona meldeten und höchstens 10 Meter von einander entfernt waren: Im geteilten Bildschirm (Splitscreen) sind derselbe „Nissan Xterra“ – und kurze Zeit später derselbe Bus im Hintergrund beider Reporterinnen zu sehen.

Angesichts vieler Ungereimtheiten im hektischen „Nachrichtengeschäft“ könnte man diese Geschichte womöglich als Lapsus abhaken. Für mich ist dieser offensichtliche „Fake“ allerdings von größerer Bedeutung. CNN war schließlich nicht nur der erste internationale Nachrichtensender, sondern gehört auch heute noch – trotz wachsender Konkurrenz – zu den einflussreichsten Nachrichtenkanälen weltweit. Informationen des Senders werden von vielen Medien rund um den Globus übernommen und verbreitet, häufig ohne vorherige Verifizierungen oder gar eigene ergänzende Recherchen.

Dass längst nicht alles, was CNN meldet, auch der Wirklichkeit entspricht, hatte zuletzt die Berichterstattung über die Jagd auf die mutmaßlichen Attentäter von Boston gezeigt. Dabei wurden von dem Nachrichtensender gravierende Falschmeldungen verbreitet, die aus Sicht des Schweizer Tagesanzeigers „leicht hätten vermieden werden können und die für einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust sorgen werden.“ CNN hatte bereits am Mittwoch nach den furchtbaren Anschlägen die Verhaftung eines verdächtigen mutmaßlichen Bombenlegers gemeldet. Tatsächlich gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine Festnahme. Die Falschmeldung ging dennoch zunächst um die Welt, bevor sie Stunden später zurückgenommen werden musste.

Im Fall der Falschmeldung aus Boston kann man CNN wohl Schlampigkeit bei der Recherche – sicherlich jedoch keinen Vorsatz unterstellen. Bei der offensichtlich „gefakten“ Satellitenschaltung aus Phoenix wurden dagegen die Zuschauer absichtlich betrogen. Und das hat mein bislang (vermutlich zu) großes Vertrauen in den Nachrichtensender nachhaltig beeinträchtigt.

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„Sie sind Moslems“

Die Suche nach den Motiven der Bostoner Attentäter führte bei ZEIT ONLINE zu einer schlimmen journalistischen Entgleisung.

Was war bloß los am vergangenen Samstagabend in der Redaktion von ZEIT ONLINE?  Um 19.57 Uhr erschien in dem Webportal ein Beitrag mit der Hauptzeile „Rätseln über die Motive der Boston-Attentäter“. Am Abend nach der Festnahme des 19jährigen Dschochar Zarnajew befasste sich Autor Ragnar Vogt mit den möglichen Hintergründen der furchtbaren Anschläge während des Boston Marathons. Weiterlesen →

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Untergetaucht in Watertown

Wo waren ARD- und ZDF-Korrespondenten als in der Nacht zum Samstag der zweite Bostoner Terrorverdächtige festgenommen wurde?

Die erste Meldung über die Festnahme des zweiten Terrorverdächtigen wurde am Freitagabend um 20.58 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit vom Boston Police Department über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. Schon wenige Minuten später berichteten Reporter der US-Nachrichtenkanäle CNN und Fox News live aus dem Bostoner Vorort Watertown, wo der 19jährige Dschochar Zarnajew nach einem Schusswechsel mit der Polizei im Garten eines Hauses festgenommen worden war. Gemeinsam mit seinem sieben Jahre älteren Bruder Tamerlan, der am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde, soll der aus Tschetschenien stammende Student für die verheerenden Bombenanschläge beim Boston Marathon am Montag verantwortlich sein. Weiterlesen →

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Couragierte NDR-Journalisten…

…stellen den eigenen Programmdirektor öffentlich an den Pranger.

Ich wüsste nicht wie ich reagieren sollte, wenn Studenten der Fakultät Medien an der Hochschule Mittweida in einem Beitrag auf dem von mir verantworteten Webportal  medienMITTWEIDA vermeintliche Untaten aus meiner beruflichen Vergangenheit veröffentlichen würden. Ich weiß auch nicht wie Frank Beckmann reagiert hat, als er sich am späten Mittwochabend im NDR-Medienmagazin „ZAPP“ den Beitrag „Feiern über Gebühr – Ermittlungen zu KiKA-Fest“ ansehen musste. Zumindest konnte (oder wollte?) der TV-Manager die Ausstrahlung des Berichts in eigener Sache nicht verhindern. Weiterlesen →

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Der Dumme ist – fast immer – der Abgemahnte

Unbequeme Blogger unter Hausarrest zu stellen so wie in China, ist in Deutschland gesetzlich nicht möglich. Hierzulande gibt es subtilere Methoden: Wer sich kritisch im Internet äußert, muss damit rechnen, wirtschaftlich ruiniert zu werden.

Dank unklarer Gesetze haben Juristen in den vergangenen Jahren eines der wenigen funktionierenden Geschäftsmodelle der Onlinemedien entwickelt: Abmahnungen, zumeist wegen tatsächlicher oder möglicher Urheberrechtsverletzungen. Der Dumme ist fast immer der Abgemahnte, weil er aufgrund der bedrohlich wirkenden Anwaltsschreiben entweder die – vielfach völlig überhöhten – Abmahnkosten zahlt oder selbst einen Anwalt einschaltet, der für seine „Bemühungen“ selbstverständlich seinerseits ein Honorar fordert. Auf diesen Kosten bleibt der Abgemahnte fast immer „sitzen“, selbst wenn sich die Forderung der Gegenseite als völlig ungerechtfertigt erweist. Weiterlesen →

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“Klar, dass auch Thomas Gottschalk seine Finger mit im Spiel hatte”

Die dubiosen Gewinnspiel-Kooperationen bei „Wetten, dass…?“ zeigen, dass die obersten Mainzelmänner in Sachen Schleichwerbung nichts dazu gelernt haben. Kein Wunder, wenn ZDF-Intendant Thomas Bellut sogar nachgewiesene Programmverstöße hartnäckig ignoriert.

Sorry, ich bin ein wenig spät mit meinem Nachklapp zu Maybrit Illners Plauderrunde am vergangenen Donnerstag (17. Januar), weil ich mir die Sendung um „Gebühren, Quoten, Qualität“ erst heute in der ZDF-Mediathek angesehen – und dabei nicht schlecht gestaunt habe. Weiterlesen →

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MediathekApp off – ARD-Livestream (noch nicht ganz) on

Während die MediathekApp am Donnerstag “abgeschaltet” wurde, ging die ARD mit einem neuen Livestream für “Das Erste” ins Netz und verbreitete gleichzeitig ihre erste Falschmeldung im Jahr 2013.

Ärgerlich ist, dass die “MediathekApp” am Donnerstag eingestellt wurde. Über diese Software konnte man in der Vergangenheit einzelne Beiträge und ganze Sendungen aus öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen nicht nur zeitversetzt anschauen, sondern auch auf den eigenen Mac herunterladen. Bei Twitter teilte der Entwickler und Betreiber lediglich mit, dass der Betrieb aus rechtlichen Gründen eingestellt werden musste. Weiterlesen →

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Eingeschränkter Spaß mit neuem Gangnam Style

Frohes Neues! Die Animationskünstler von JibJab haben zum Jahreswechsel den “Gangnam Style zum Selberbauen” auf ihrer Website zur Verfügung gestellt. Meine Tochter konnte nicht widerstehen und hat meinen Kopf auf die tanzende Figur “montiert”. Die Familie hat sich über diese neue Version des YouTube-Hits zumindest köstlich amüsiert…

Ganz uneingeschränkt ist so ein Spaß in der Republik der vermeintlichen Rechteschützer und Abmahnanwälte selbstverständlich nicht. Ich habe die “neue Version” von “Gangnam Style” bei JobJab für 4,99 US-Dollar heruntergeladen und wollte das Video bei YouTube einstellen um es hier in meinem Blog einzubinden. Ihr ahnt sicherlich schon, was daraus wurde. Von YouTube erhielt ich die Mitteilung: “Dieses Video enthält Content von… Es ist in deinem Land nicht verfügbar.” Und das ist leider kein Spaß.

 

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FTD gern kostenlos genommen

Ein wenig fühle ich mich mitverantwortlich dafür, dass heute die “Financial Times Deutschland” zum letzten Mal erschien.

„Da haben Sie aber Glück gehabt“, sagt die nette ältere Dame an der Kasse der Bahnhofsbuchhandlung am Rosenheimer Bahnhof, während sie den Betrag von 2,20 Euro eintippt. Tatsächlich habe ich das letzte Exemplar der letzten Ausgabe der „Financial Times Deutschland“ erwischt, obwohl es erst kurz nach Sieben Uhr morgens ist. „Da wird sich der Herr (den Namen habe ich nicht verstanden) aber ärgern, weil er seit Jahren fast jeden Morgen diese Zeitung kauft.“ Die Welt erweist sich mal wieder als ungerecht – diesmal zu meinen Gunsten. Weiterlesen →

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Strategen, die sich selbst ins Knie schießen

Viele deutsche Verleger und deren Manager wollen das Internet einfach nicht verstehen. Die geplante Einforderung von Leistungsschutz bei Google und Co. ist der vorläufige Höhepunkt der nunmehr schon seit eineinhalb Jahrzehnten andauernden Hilf- und Ahnungslosigkeit im Umgang mit dem Netz.

Es gibt Dinge, die ich einfach nicht verstehe. Dazu gehören unter anderem Skat, Sinus, Kosinus und das Leistungsschutzrecht. Ich habe beim besten Willen nicht verstanden, welche Ziele deutsche Verlagsmanager mit der Durchsetzung des so genannten Leistungsschutzes verbinden. Der immer wieder angeführte vermeintlich moralische Beweggrund, dass Google mit den von deutschen Verlagen zur Verfügung gestellten Inhalten Geld verdienen würde, ist genauso dumm wie abgedroschen. Weiterlesen →

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