Instant Articles – oder die Vorstufe zur Kapitulation der Medien vor Facebook und Co.

Seit dieser Woche veröffentlichen international renommierte Medien wie The New York Times, BBC und Spiegel Online “ausgewählte Inhalte” direkt bei Facebook. Einige Anmerkungen zu steigenden Abhängigkeiten der Content-Lieferanten von den Internetgiganten.

The New York Times tut es, die BBC und BuzzFeed wohl auch. Von den deutschen Onlinegrößen nehmen Bild.de und Spiegel Online seit dieser Woche an einem vermeintlichen Experiment teil, das als “Instant Articles” bezeichnet wird. Dabei sollen “ausgewählte Artikel” direkt auf den Facebook Fanpages der Medienanbieter veröffentlicht werden – und nicht wie bislang lediglich Teaser mit denen Facebook-Nutzer auf die eigenen Portale der Content-Lieferanten gelockt werden sollen. Diese neue Funktion ist zurzeit allerdings nur in der iPhone-App von Facebook verfügbar. “Im Gegenzug dürfen die Verlage die Werbung im Umfeld der Artikel selber verkaufen”, berichtet Meedia.de. Das ist doch eine tolle Idee für die in Sachen Onlinevermarktung immer noch rat- und hilflosen Medienanbieter in New York, London oder Berlin. Zumindest versucht  Facebook in einem Video potenziellen Partnern Mut zu machen.

Von wegen. Für den Medienjournalisten Richard Gutjahr ist diese Kooperation der New York Times ein Faustscher Pakt mit Facebook. Den kritischen Blogger treibt vor allem die Frage um “Was, wenn Mark Zuckerberg die Konditionen für die Medienhäuser eines Tages verschlechtert?” Tatsächlich laufen große und renommierte Medienunternehmen Gefahr, sich Zug um Zug in eine Abhängigkeit von Facebook zu begeben, aus denen sie sich eines Tages möglicherweise nicht mehr lösen können. Das Prozedere erinnert fatal an die Hilflosigkeit der Musikbranche um die Jahrtausendwende, als der damalige Apple-Chef Steve Jobs mit iTunes altgedienten “Plattenbossen” vormachte, wie Musik zeitgemäß und erfolgreich vermarktet werden kann.

Wohl nichts daraus gelernt. Dass sich New York Times, BBC oder Spiegel Online auf dieses “Experiment” mit Facebook einlassen (müssen), ist nichts anderes als eine Vorstufe zur Kapitulation der klassischen Medienanbieter vor Facebook und Co. Die meisten Content-Lieferanten haben es nicht geschafft, ihre Produkte im Netz so zu vermarkten, dass Kostendeckung – geschweige denn Überschüsse – erzielt werden. Bisherige Bezahlmodelle für die Nutzung einzelner Beiträge oder den Zutritt zu ganzen Webportalen erwiesen sich als vielfach erfolgslos. Erst in dieser Woche hat The New York Times die Paywall für ihre Nachrichten-App “NYT Now” eingerissen. Statt für monatlich 8 US-Dollar stehen die Inhalte den Nutzern jetzt kostenfrei zur Verfügung. Infografik: Google und Facebook dominieren mobile Werbung | Statista

Auch bei der Vermarktung von Onlinewerbung bekommen klassische Medienanbieter höchstens Krümel vom großen Kuchen ab – ganz im Gegensatz zu Google und Facebook. Bei der Werbung für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets kommen die beiden Internetgiganten zusammen auf einen Anteil von über 70 Prozent aller weltweit erzielten Umsätze. Wenn’s so weiterläuft – und davon ist in den nächsten Jahren wohl auszugehen – wird herkömmlichen Medienhäusern eines Tages nicht anderes übrig bleiben, als die “Weiße Flagge” zu hissen. Von Google und Facebook werden sie auf Dauer wohl keine Almosen erwarten können.

Ganz schön beKLOPPt

Deutsche Leitmedien im Klopp-Abschiedsfieber – nur die taz mochte da nicht mitmachen. Bildquellen: Meedia.de, ZDF-Mediathek

Ginge es nach Deutschlands Leitmedien, dann wäre der angekündigte Rücktritt des Dortmunder Trainers Jürgen Klopp das wichtigste Ereignis in dieser Woche. Für die taz sind 400 Menschenleben wichtiger. Weiterlesen →

Anmerkungen zum Absturz des Journalismus…

…nach der Flugzeugkatastrophe am Dienstag und der medialen Hinrichtung des Germanwings-Copiloten, der für den Tod von 149 Menschen verantwortwortlich sein soll.

Titelseiten deutscher Tageszeitungen am 27. März 2015

Es ist schon fast ein makaberer Zufall, dass am kommenden Montag das Thema “Steckt der deutsche Journalismus in der Krise?” auf dem Plan des Seminars im Modul “Content 1″ steht. Wenn ich mir die häufig würdelose Katastrophen-Berichterstattung vieler (nicht aller) deutscher Medien nach dem furchtbaren Absturz einer Germanwings-Maschine über den fanzösischen Alpen vor Augen halte, kann die Antwort nur “Ja!” lauten. Weiterlesen →

Notizen eines APParatschiks

Ladehemmungen beim “Spiegel-i” +++ “Bild-App” zum Normaltarif +++ “APPzock-Empfehlung” von meedia.de +++ Radiomacher auf dem iPhone

2. März 2010. Vor einer Woche hatte ich die erste Ausgabe des mobilen “Spiegel” hier bei blogmedien ziemlich heftig kritisiert. Weil mein geschätzter Kollege Christian Jakubetz in seinem “JakBlog” das seit Samstag erhältliche zweite “Spiegel-i” durchaus lobt (“Jetzt sieht’s schon besser aus”), habe ich noch einmal 2,99 Euro investiert. Dabei hatte ich zunächst mit Ladehemmungen zu kämpfen. Mehrere Versuche, die aktuelle Ausgabe über die “Spiegel-App” herunterzuladen, endeten zunächst mit Fehlermeldungen. Am Montagabend habe ich es dann schließlich doch geschafft – und war wieder enttäuscht. Soweit erkennbar, werden diesmal zwar alle Artikel des Nachrichtenmagazins auch den mobilen Nutzern zur Verfügung gestellt und der Umfang des Bildmaterials ist wesentlich größer als vor einer Woche. Allerdings ist die Aufbereitung der Texte für die kleinen Displays nach wie vor unübersichtlich, zudem sind einige Grafiken kaum zu entziffern. Es bleibt dabei – beim “Spiegel-i” besteht Verbesserungsbedarf. Weiterlesen →

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Unsere schönsten Bilder aus 2014

Wir überlassen unseren privaten Jahresrückblick nicht Facebook, sondern “bauen” uns unsere Erinnerungen lieber selbst zusammen. Heiligabend hatte bereits die 13. Ausgabe von Julias Jahresvideo Premiere.

JULIA 2014 – die schönsten Bilder des Jahres mit den Höhepunkten aus den vergangenen zwölf Monaten ging Ende Dezember an Freunde, Verwandte und Mitwirkende. Im Trailer seht ihr einige Szenen aus unserem 46 Minuten langen privaten “Filmkunstwerk” mit Bildern unter anderem aus New York, Texas, Amsterdam, Barcelona, Marseille und Hamburg.

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Wie ein schlimmes Déjà-vu

Der in dieser Woche veröffentlichte Bericht des US-Senats über die Foltermethoden des Geheimdienstes CIA war mehrere Tage “Aufmacher” in deutschen Leitmedien. Schon vor zehneinhalb Jahren war die “ganze Welt” über den “Folterskandal von Abu Ghraib” schockiert. In der Medienberichterstattung sind durchaus Parallelen erkennbar.

Es war ein reiner Zufall. Als ich am Dienstag dieser Woche in meinen Seminaren zum Thema “Gezielte Internetrecherche” das Projekt “Folter frei – Abu Ghraib in den Medien” behandelte, waren unsere Leitmedien “voll” mit Nachrichten, Hintergründen und Kommentaren zu den – angeblich erst jetzt in ihrem ganzen Ausmaß bekannt gewordenen – Foltermethoden des US-Geheimdienstes CIA. Anlass war die Veröffentlichung der Zusammenfassung eines Berichts des US-Senats in der auf insgesamt 525 Seiten grausame Verhörmethoden “aufgelistet” werden. Weiterlesen →

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Das ist gar nicht mal so “kacke”

Beobachtungen bei Twitters Aufstieg in Deutschland während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien

Das waren noch Zeiten, als Fußball-Fans zu Hause vor dem Fernseher Salzstangen knabbernd und Bier trinkend die Spiele deutscher Nationalmannschaften bei der WM verfolgten. Heutzutage werden Jogis Jungs vorzugsweise beim so genannten Public Viewing, in einem Vereinsheim oder in der Stammkneipe anfeuert. So drängten sich beim Viertelfinalsieg der Deutschen gegen Frankreich über Einhundertausend Menschen bei glühender Hitze auf der Berliner Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und “Goldener Else” – das sind mehr Zuschauer als ein Fußballstadion aufnehmen kann. Weiterlesen →

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